Fahnen

Ein Regiment des 30 Jährigen Krieges war eigentlich eine
Schicksals-Gemeinschaft in der Soldaten Jahrelang auf und ab im Land
marschierten, wenn es gut ging gemeinsam Erfolg hatten und wenn es dumm
lief gemeinsam ihr Leben auf dem blutdurchdrängten Schlachtfeld
verloren. Und nichts symbolisierte die Einheit des Regiments mehr als ihre Fahne, der sie folgten und die sie bis zum Tote verteidigten bzw. verteidigen sollten. Die Fahne war also eine Art „Heiligtum“ für die Soldaten und das Regiment so gut wie ihr „Zuhause“.

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So ist es also kein Wunder dass die Soldaten ihren Eid nicht auf irgendeinen Kaiser oder König schworen, sondern allein der Fahne
und ihrem Regimentsinhaber. Was gerade für die Sachsen wichtig war, da
sie bekanntlich mal für und mal gegen den Kaiser kämpften.

Im Schlachtgetümmel war die Fahne oft das einzige weithin sichtbare
Symbol eines Heeres bzw. eines militärischen Verbandes und diente als
einziges Erkennungszeichen, um Freund und Feind zu unterscheiden und der Führung einen Überblick über die Lage zu ermöglichen.

Die Fahnen des 30 Jährigen Krieges waren etwa 1,8m² groß und entweder aufwendig bestickt oder bemalt. Befestigt waren sie mit Nägeln an einer Holzstange
die bei den Schweden, Sachsen und Franzosen fast durchwegs lang und bei
den Kaiserlichen, Bayern, Spaniern und Schotten kurz und mit kugelig
geformten Ende war, damit man diese auch schwingen konnte.

Die Fahnen der katholisch-kaiserlichen Regimenter
zierten meistens der Doppelköpfige Reichsadler, das kaiserliche Astkreuz
(auch Burgunderkreuz genannt) oder die im Katholizismus verehrte
Jungfrau Maria.

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Die drei Fahnen der Memminger Musketiere sind Marien-Fahnen.
Auf unserer Hauptfahne ist die Jungfrau Maria mit dem Jesus-Kind
abgebildet. Diese Fahne gehörte nachweislich einem Regiment
Wallensteins. Unsere zweite Fahne ist mit den Buchstaben JMR bemalt. J
steht für Jesus, das M in der Mitte steht für Maria und das Rechtsaußen für Regina (Königin). Auch die blaue Farbe des Fahnentuches
hat in der katholischen Kirche die Bedeutung für Maria.

Die Person die eine Fahne tragen durfte wurde vom
Regimentskommandanten persönlich ausgesucht und musste äußerst
zuverlässig sein. Deshalb bevorzugte man sehr tapfere oder altgediente
Soldaten des Regiments die extra ausgebildet wurden, das schwere
Fahnentuch kunstvoll zu schwingen. Um ihre Sonderstellung hervorzuheben
wurde der Fahnenträger auch Fähnrich genannt und war vom Rang höher als der normale Soldat. Man erwartet von ihm aber auch die Fahne bis zum Tode zu verteidigen
und sich noch im Sterben in Selbige zu wickeln, damit sie ja nicht in
Feindeshand gerät. Denn dies wäre die größte Schande eines Regiments.